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3.Oktober 2019

Wem Danken?

Heute – zum Tag der Deutschen Einheit möchte ich alle Interessierten an unser Musik, oder einfach hier gelandeten Lesenden von Herzen lächelnd grüßen und feststellen, wie froh ich bin, jetzt zu leben!

Die ersten 20 Jahre nach meiner Geburt 1969 wuchs ich in Berlin-Friedrichshagen, Lichtenberg und Marzahn auf, am 9. November ging ich nach Schabowskis Rede einfach aus Doofheit ins Bett und alles, was danach kam, war ein schönes Leben voller Vorteile, die meine Eltern in den 28 Jahren Ihrer Existenz in der geschlossenen DDR nicht hatten.

Als die deutsche Grenze am 13. August `61 dichtgemacht wurde, waren die beiden auf ihrem Motorrad „Java“ – noch ohne meinen Beiwagen – unterwegs zur Ostsee und das wars dann mit dem Tanzen, dem Kino, den Besuchen der Verwandten in Westberlin.

Danach war Klappe halten und hiergeblieben angesagt – bei meiner Mutter im Rundfunk der DDR in der Redaktion vom Kinderradio und meinem Vater als Brigadier in Berliner Straßengräben mit viel Lärm und schlechter Luft – und das für die nächsten Jahrzehnte. Urlaub machten wir trotzdem fast jedes Jahr.

In den FDGB Ferienheimen von Tiefbau Berlin, was ich sehr geliebt habe.

Als bei mir das Fernweh aufkam, fuhr ich mit meiner Freundin Silke und der Deutschen Reichsbahn nach Prag, Wir kamen früh an, putzten uns die Zähne auf dem Bahnhofsklo und enterten die schöne Stadt. Unser Einkauf bestand aus schwarzer Farbe für die Haare, merkwürdig fremdartigen Süßigkeiten und Ohrringen. Im Nachtzug zurück und vom Papi am Bahnhof abgeholt – mit 16 Jahren ein großes Ding für uns!

Dann – nach dem 9. November 89 hatte ich das Gefühl, nicht nur wegen des offenen Deutschlands alles machen zu können, sondern einfach auch, weil ich 20 Jahre alt war – diese beiden Realitäten haben mich aber zu diesem wirklich schönen und freien Leben gebracht. Ich hatte 2 wunderbare Freunde in Henne und Andy, wir schrieben diesen einen Song, der nicht nur uns gefiel und der es so weit geschafft hat in die Welt und ich kann jetzt als alte Eule ( wie meine Mama mich als Kind schon nannte ) sagen – so wie ich lebe, will ich das auch! Ich will mir kein Haus kaufen können, ich werde meinem geliebten Sohn Tom nicht viel Kohle hinterlassen, ich habe als Rentner nichts Großartiges geplant, es ist alles gut, so wie es ist und ich neide niemandem irgendwas.

Ich nehme wohl zur Kenntnis, dass es ein deutsches Verständigungs-Kuddelmuddel gibt, was beispielsweise in Form von TV Sendungen, wie „Frustriert und rechts – wie ticken Ossis?“ (HR) gerade thematisiert wird und ich habe auch schon mit einigen mir sehr sympathischen Menschen aus westlichen Bundesländern gesprochen, die mir ganz klar sagen: „Die Ostler haben uns bis heute nicht wirklich interessiert!“ Und das ist auch ok.

Ich habe aber immer mehr rübergeschaut als DDR-Kind, in die Westautos auf der Autobahn, in die 3 Westsender im Fernseher und in die Westzeitung bei Oma. Weil es mich interessiert hat, wie die leben und sind. Aber ich erwarte da nix zurück.

Ich bin ne tolle Frau, versuche immer, mein Rückgrat aufrecht zu halten und merke, dass – wenn ich rausgehe und Andere entspannt betrachte, wenn ich freundlich bin und jetzt auch manchmal meine Klappe halte, weil ICH das so will und ich Bewertung mehr und mehr Scheiße finde, es dann gut ist – dann ist es mir schön!

Und wir können über alles reden und ich werde zuhören und Ihr müßt das dann auch. Heute keine Werbung fürs Konzert und für Bell, Book.

Heute nur DANKE für meine Freiheit, Normalität und dafür, ne Wahl zu haben.

Küßchen, Jana.